Oeconomia

Regie: Carmen Losmann
Deutschland 2020 • FSK: ab 0 Jahren • 89 min

Unser Wirtschaftssystem hat sich unsichtbar gemacht und entzieht sich dem Verstehen. In den letzten Jahren blieb uns oft nicht viel mehr als ein diffuses und unbefriedigendes Gefühl, dass irgendetwas schiefläuft. Aber was? Der Dokumentarfilm legt die Spielregeln des Kapitalismus offen und macht in episodischer Erzählstruktur sichtbar, dass die Wirtschaft nur dann wächst, dass Gewinne nur dann möglich sind, wenn wir uns verschulden. Jenseits von distanzierten Phrasen der Berichterstattung, die ein Verstehen des Ungeheuerlichen letztlich immer wieder verunmöglichen, macht sich die Doku mit viel Scharfsinn und luzider Stringenz daran, den Kapitalismus der Gegenwart zu durchleuchten. Erkennbar wird ein Nullsummenspiel, das uns und unsere ganze Welt in die Logik einer endlos fortwährenden Kapitalvermehrung einspannt – koste es, was es wolle. Ein Spiel, das bis zur totalen Erschöpfung gespielt wird und vielleicht kurz vor seinem Ende steht.
Mit ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm „Work Hard – Play Hard“ setzte die Regisseurin Carmen Losmann sich mit den Wirkungen des modernen Human Ressource Managements auseinander. Die Doku, die auf der Berlinale 2020 ihre Premiere feierte und von der Kritik hoch gelobt wurde, setzt ihre eindringlichen Recherchen zu den zerstörerischen Grundlagen unseres Wirtschaftssystems fort und öffnet den Blick jenseits der gängigen Erklärungsmuster und Dogmen auf den Nucleus eines hochexplosiven Systems: Der Schuldner als zentraler Akteur.
Als Zuschauer*in fühlt man sich informiert und aufgeklärt über Vorgänge, die wir alle in unserem Alltag erleben, aber zu selten hinterfragen. Wie funktioniert Geld? Was heißt es, wenn man sagt, der „Markt regelt“? Und warum sind Schulden gut für die Geldvermehrung? Doch Losmann zeigt noch mehr, denn die Aussagen der Experten machen deutlich, dass die Ressourcen der Erde zunehmend für das Profitdenken geopfert werden.– Ein Film von brennender Aktualität.

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