Don't Worry, weglaufen geht nicht

Regie: Gus Van Sant
USA 2017 • FSK: ab 12 Jahren • 115 min

Wenn Ausnahme-Regisseur Gus van Sant die Biografie eines exzentrischen Cartoonisten erzählt, ist mehr zu erwarten als ein bieder bebilderter Wikipedia-Eintrag. John Callahan (Joaquin Phoenix) ist schon in jungen Jahren ein ziemlicher Säufer. Nach einem Autounfall findet er sich im Rollstuhl wieder. Der Schicksalsschlag steigert seinen Sinn für bösen Humor massiv. Und mündet in sarkastische Cartoons, die von den einen angefeindet und von den anderen gefeiert werden. Mit elegant verknüpften Rückblenden entwickelt van Sant das faszinierende Porträt eines Außenseiters, der auf den ersten Blick als selbstgefälliger Kotzbrocken durchgehen könnte. Van Sant blickt traditionell tiefer und kitzelt, wie so häufig, überraschende Sympathiewerte seiner schrägen Figuren heraus.

Joaquin Phoenix gibt sich gar keine Mühe, aus Callahan einen netten Kerl zu machen. Er flucht, er schimpft, er beleidigt andere und bemitleidet sich selbst. Immer wieder rast er wie ein Wilder mit dem Rollstuhl über die Bürgersteige, fast so, als wolle er sich von allen Fesseln befreien. Eine darstellerische Tour de Force, die ihm so schnell niemand nachmacht.

Das Objekt der biografischen Begierde verstarb 2010 im Alter von 59 Jahren an den Folgeschäden einer Operation. An diesem Kino-Trip der besonderen Art hätte er sicher sein Vergnügen gehabt – schon allein, weil „Simpsons“-Komponist Danny Elfman den Soundtrack beisteuert.

Demnächst in der Schauburg

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