Und morgen die ganze Welt

Regie: Julia von Heinz
Deutschland 2020 • FSK: ab 12 Jahren • 111 min

Luisa ist 20 Jahre alt, stammt aus gutem Haus, studiert Jura im ersten Semester. Und sie will, dass sich etwas verändert in Deutschland. Alarmiert vom Rechtsruck im Land und der zunehmenden Beliebtheit populistischer Parteien, tut sie sich mit ihren Freunden zusammen, um sich klar gegen die neue Rechte zu positionieren. Schnell findet sie Anschluss bei dem charismatischen Alfa und dessen bestem Freund Lenor: Für die beiden ist auch der Einsatz von Gewalt ein legitimes Mittel, um Widerstand zu leisten. Bald schon überstürzen sich die Ereignisse. Und Luisa muss entscheiden, wie weit zu gehen sie bereit ist – auch wenn das fatale Konsequenzen für sie und ihre Freunde haben könnte.

Inspiriert von eigenen Erlebnissen, hat Julia von Heinz zusammen mit John Quester das Drehbuch geschrieben. In der Hauptrolle fasziniert Mala Emde als kämpferische junge Frau, die im Sturm und Drang der Gefühle vor radikalen Entscheidungen steht, und die völlig zurecht mit dem Bisato d‘Oro als beste Darstellerin beim Filmfest in Venedig ausgezeichnet wurde. An ihrer Seite erweisen sich Noah Saavedra, Tonio Schneider und Luisa-Céline Gaffron als nicht minder aufregende Entdeckungen.

Ein mitreißender Film von hoher Relevanz, der die Frage nach der Rechtfertigung von Gewalt und demokratischem Widerstand packend inszeniert. Die Frage, wie weit man in seinem Kampf gegen antidemokratische Kräfte gehen darf, lässt von Heinz unbeantwortet stehen. Stattdessen kommt sie immer wieder auf einen Satz des Grundgesetzes (§20, Abs.3) zurück, der da heißt: „Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“
(FBW-Urteil: Besonders wertvoll)

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