Via Carpatia

Originalfassung mit UT
Regie: Kasper Bajon, Klara Kochanska
Tschechische Republik/Polen/Nordmazedonien 2018 • 75 min

Piotr und Julia sind ein Paar der modernen Gesellschaft: DesignerKüche, gutes Essen, eingebunden in ihre Jobs. Kinder haben sie nicht, nur eine Schildkröte. Sie leben mehr nebeneinander als miteinander, aber sie wollen gemeinsam in den Urlaub in den Süden. Die Nachrichten über die Flüchtlingsströme im Jahr 2016 sind für sie weit weg, werden überlagert von der FußballEM und vom neuen USPräsidenten Donald Trump.
Kurz vor der Abreise kommt Piotrs Mutter mit einer überraschenden Bitte zu ihnen und offeriert viel Geld als Überzeugungshilfe: sie sollen den syrischen Vater von Piotr aus einem Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze nach Polen schleusen. Der Sohn hat diesen Vater noch nie gesehen, interessiert sich auch nicht für ihn. Aber den Wunsch der Mutter kann er nicht ablehnen. AllinclusiveUrlaub ade? Piotr und Julia brechen auf in den Süden, Angst und Zweifel über ihr Tun sind mit an Bord. Je felsiger das Land wird, umso holpriger wird ihre Reise.
Wir bleiben in diesem stellenweise improvisierten Roadmovie ganz nah bei den beiden eigentümlich unemotionalen Protagonisten, die der Flüchtlingsbewegung fast ebenso unbeteiligt gegenüberstehen, wie politische Vertreter ihres Landes. Ein ironisch-bitterer Kommentar über eine saturierte europäische Gesellschaft, der die Empathiefähigkeit abhandengekommen ist.

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